Was macht man, wenn man in der Stadt so ein Plakat sieht? Man liest Swansea, denkt nicht länger nach und kauft eine Karte. Und dann freut man sich vor: auf Botanist und Urghun im Mørtelwerk.

Botanist und Urghun im Mørtelwerk Leipzig

Und die Freude war berechtigt. Mal wieder eine neue Location, neue Bands, neue Musik, neue Eindrücke und das Gefühl alles richtig gemacht zu haben. Sehr viele sind an diesem Abend dem Aufruf leider nicht gefolgt, was die Stimmung vielleicht etwas beeinflusst hat, aber sowohl das Mørtelwerk, das Essen als auch die Musik hat das locker wieder wett gemacht. Pünktlichkeit hin oder her, irgendwann ging es los, bis dahin Nudelsalat und vegetarische Bratwurst an einer brennenden Mülltonne mit fabelhafter Kulisse am Kanal. Black Metal mal ganz anders.

Urghun

Schon beim Soundcheck von Urghun war klar, das wird jetzt etwas anders, als man das so kennt. Flöte, Geige und viele Effektgeräte und vor allem Looper neben viel Räucherstäbchen und blauem Licht. Und was wurde geboten? Hervorragender Ambient und zum Ende hin grandioser Noise.

Klar, nicht die klassische Headbang-Musik, dafür mal eine komplett neue Betrachtungsweise. Undiskutabel eine – für mich – wirkliche Neuentdeckung in 2017. Sahne!

Botanist

Auch die nächste Band Botanist sagte mir vor diesem Abend noch nichts. Im Prinzip fand ich einfach nur die Beschreibung schon mehr als Grund genug hinzugehen:

Botanist hat genug von den Verbrechen der Menschen gegen die Natur und findet Trost in der Umgebung von Bäumen und Blumen. Ein Hippiekind ist Botanist trotzdem nicht. Eher ein Apokalyptiker, der die Selbst-Ausrottung der Menschheit erwartet und damit die Renaturalisierung des Planeten. In seiner Musik drückt Botanist dieses Grundgefühl mit experimentellem Black Metal aus, also einer grundsätzlich positiven menschlichen Ausdrucksform.

Was für ein Erlebnis. Gerade eben noch alles harmlos und plötzlich Vogelgezwitscher. Vier erwachsene Männer, verkleidet wie Radagast als Imker, betreten die Bühne auf der ein Schlagzeug steht, eine Bassgitarre und sonst nur Instrumente, die man eher in der Folklore erwartet: Hackbrett und tragbares Harmonium. Darf sich sowas noch Black Metal nennen? Nach strengen Vereinsregeln nicht, aber egal. Das hat ordentlich gescheppert.

Wirklich, wirklich großartig. Noch nie habe ich mich mit einem grauen Bio-Fairtrade-Hoodie so wohl bei einem Konzert gefühlt.

Fazit

Absolut indiskutabel guter Abend. 2 Shirts, 1 Patch, eine LP-Merchandising-gut sogar. Dafür gibt es auch, gerade weil der Abend so anders war, nicht die klassische Shirt-Wertung sondern:

💚💚💚💚💚

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