Es gibt diese Bands, die ihren eigenen Nachruf schreiben und dann einfach weiterspielen. Newhvn sind so ein Fall. Vorher hießen sie A Burial At Sea, waren eine Post-Rock-Band mit zwei Alben, einer Fangemeinde von Irland bis Asien und Bühnen, die sie mit And So I Watch You From Afar, The Ocean und This Will Destroy You geteilt haben. Dann der Schnitt: neuer Name, neue Codes, Grunge und Shoegaze und Post-Hardcore in den alten Bausatz gegossen. Im KuBa gab es schon mal die Live-Vorschau, gemischt mit dem alten Material.

Lemondaze

Aber zuerst Lemondaze, und hier kann ich mir die übliche Häme über Vorbands sparen, denn das war schlicht brillant. Das Cambridge-Quartett hat sich in den letzten Jahren durch Support-Slots für Ride, Just Mustard, bdrmm und Miki Berenyi gearbeitet, und man hört, warum man sie eingeladen hat. Große Flächen, Gitarren, die sich nicht auflösen, sondern aufbauen, bis der Raum komplett gefüllt ist – herrlicher, unverschämt klassischer Shoegaze, ohne dass es nach Pflichtübung klingt. Genau die Art von Sound, bei der man aufhört, auf die Uhr zu schauen, weil die Zeit ohnehin nur noch als Wand existiert, gegen die der Klang drückt.

Newhvn

Dann Newhvn. Der Einstieg: poppig, fast unverschämt zugänglich für eine Band mit Post-Rock-Vergangenheit. Kurz dachte ich, das hier wird der Abend, an dem ich erklären muss, warum eine ehemalige Post-Rock-Band plötzlich Refrains schreibt, die man mitsingen könnte, wenn man die Texte kennen würde. Aber fett war es trotzdem, die Poppigkeit hatte Gewicht, keine Verwässerung, sondern eine andere Tür in den gleichen Raum.

Und dann, etwa zur Mitte des Sets, kippte es. Der Abriss, von dem jeder hofft, dass er kommt, wenn eine Band mit Post-Rock-DNA auf die Bühne geht: die Songs lösten sich auf, die Struktur gab nach, und was übrig blieb, war genau das, wofür man sich eigentlich angemeldet hatte. Eine Band, die ihre eigene Vergangenheit nicht verleugnet, sondern als Sprengstoff wiederverwendet.

Fazit

Das eigentlich Interessante an diesem Abend war weniger die Qualität – die stimmte bei beiden Bands – sondern die Dramaturgie der Selbsterfindung. Eine Band, die sich umbenennt, verspricht meistens etwas Halbherziges: ein bisschen neuer Anstrich, derselbe Lack. newhvn machen das Gegenteil. Sie lassen den alten Namen wie eine Erinnerung im Set hängen und bauen den neuen drumherum, bis man nicht mehr weiß, ob man eine Reunion oder eine Geburt gesehen hat. Vermutlich beides, was am Ende auch egal ist – Hauptsache, Abriss. Verdiente

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